Geld & Regeln
Pfandgeld: Beträge, Profiteure, Steuer
Wie viel Pfand auf was fällig wird, wer die eigentlichen Profiteure des nicht abgeholten Geldes sind und warum selbst das Flaschensammeln plötzlich ein Thema fürs Finanzamt ist.
Welche Beträge gelten
Die Höhe des Pfands richtet sich nach der Art der Verpackung, nicht nach dem Inhalt. Eine Cola-Dose und eine Bier-Dose tragen dasselbe Pfand, eine Mehrweg-Glasflasche dagegen ein völlig anderes:
- Einweg-Flaschen und Dosen: einheitlich 25 Cent
- Mehrweg-Glasflaschen: meist 8 Cent
- Mehrweg-PET-Flaschen: oft 15 oder 25 Cent
- Bierkasten: meist 1,50 Euro für den Kasten plus Flaschenpfand
Der wichtigste Unterschied liegt nicht in der Höhe, sondern im Prinzip. Einwegpfand soll daran erinnern, die Verpackung überhaupt zurückzubringen, damit das Material nicht verloren geht. Mehrwegpfand sichert eine Flasche, die echten Gegenwert hat, weil sie gereinigt und wieder befüllt wird. Deshalb ist das Pfand auf eine Mehrweg-Glasflasche oft niedriger als auf eine Einweg-Dose, obwohl die Glasflasche der Industrie viel mehr wert ist. Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, ergibt aber Sinn: Bei Mehrweg trägt das Pfand nur einen kleinen Sicherungsbetrag, der eigentliche Wert steckt im Pfandkreislauf der Flasche selbst.
Wie sich die Pfandpflicht über die Jahre auf immer mehr Verpackungen ausgeweitet hat, von den ersten Getränken 2003 über alle Dosen 2022 bis zu Milchprodukten 2024, steht ausführlich auf der Seite zum Pfandsystem.
Wer behält das nicht eingelöste Pfandgeld?
Hier wird es interessant, und hier wird oft Falsches über die Profiteure erzählt. Die weit verbreitete Annahme, der Supermarkt an der Kasse stecke das nicht abgeholte Pfand ein, ist falsch. Das nicht eingelöste Einwegpfand bleibt beim Abfüller, also beim Hersteller, der die Verpackung in den Markt gebracht hat. Der Handel ist nur Durchlaufstation.
Die Verrechnung läuft über das sogenannte Clearing zwischen Herstellern, Handel und Logistik. Vereinfacht gesagt: Der Handel zieht beim Verkauf das Pfand ein und zahlt es beim Rückgeben wieder aus. Was am Ende übrig bleibt, weil Verpackungen nicht zurückkommen, fließt rechnerisch zum Inverkehrbringer zurück. Eine pauschale Aussage nach dem Muster Einer-kassiert-alles wäre deshalb falsch.
Der Pfandschlupf wirkt im System als Gegenfinanzierung für Automaten, Transport, Sortierung, Verwertung, IT und Kontrolle. Wie viel davon am Ende echter Gewinn ist und wie viel nur Kostendeckung, hängt von Verträgen ab, die nicht öffentlich sind. Genau das macht das Thema so undurchsichtig. Sicher ist nur, dass der Schwund eine fest einkalkulierte Größe ist und nicht etwa ein unerwarteter Bonus. Mehr zu den geschätzten Summen und der Kritik daran steht auf der Seite zum Pfandschlupf.
Bei Mehrweg ist es anders geregelt, weil die Flaschen und Kästen oft im Eigentum bestimmter Poolbetreiber oder Abfüller stehen. Auch hier hilft unabgeholtes Pfand, den Aufwand zu decken. Der Unterschied: Bei Mehrweg geht es selten um liegengebliebenes Pfand, weil die Flaschen einen so hohen Eigenwert haben, dass sie fast immer zurückkommen.
Pfandsammeln: Zubrot mit Steuerfrage
Ein Punkt, der viele überrascht: Wer regelmäßig Pfandflaschen sammelt, geht rechtlich gesehen einer gewerblichen Tätigkeit nach. Das Bundeswirtschaftsministerium definiert ein Gewerbe als jede erlaubte, auf Gewinn gerichtete und auf Dauer angelegte selbstständige Tätigkeit. Ein Sprecher des Finanzministeriums in Nordrhein-Westfalen hat auf Nachfrage bestätigt, dass Flaschensammeln diese Kriterien durchaus erfüllen kann. Streng genommen müssten die Einkünfte daraus in der Anlage G der Steuererklärung auftauchen, also bei den Einkünften aus Gewerbebetrieb.
Bevor jetzt Panik aufkommt: In der Praxis zahlt kaum jemand dafür Steuern. Erst oberhalb des steuerlichen Grundfreibetrags, 2025 rund 12.000 Euro im Jahr, wird überhaupt Einkommensteuer fällig. Befragungen zeigen, dass die meisten Sammler im Monat zwischen 50 und 99 Euro einnehmen, im Sommer mehr, im Winter deutlich weniger. Damit bleibt fast jeder weit unter der Grenze. Wer ohnehin eine Steuererklärung abgibt und nennenswert sammelt, sollte die Einkünfte aber sauber angeben.
Der eigentlich bemerkenswerte Punkt ist ein gesellschaftlicher. Es geht hier um Einkünfte von Menschen, die oft jeden Cent zweimal umdrehen müssen und für die das Sammeln eine wichtige Einnahmequelle ist. Dass ausgerechnet diese Tätigkeit formal als Gewerbe gilt, sorgt regelmäßig für Diskussionen und auch für Kopfschütteln. In der Realität greift hier aber der Grundfreibetrag, der genau dafür da ist, ein Existenzminimum steuerfrei zu stellen. Die theoretische Steuerpflicht und die praktische Steuerlast klaffen also weit auseinander.
Praktisch relevant wird die Frage erst bei den wenigen, die das Sammeln professionell und in grossem Umfang betreiben, etwa mit festen Routen und Fahrzeug. Wer damit dauerhaft über dem Freibetrag landet, bewegt sich tatsächlich im steuerpflichtigen Bereich und sollte sich beraten lassen.
Pfandsammeln, Pfandringe und der soziale Aspekt
Rund ums Pfandsammeln hat sich eine eigene kleine Infrastruktur entwickelt. In vielen Städten gibt es inzwischen sogenannte Pfandringe an öffentlichen Mülleimern, also Halterungen, an die man leere Flaschen und Dosen stellen kann, statt sie in den Abfall zu werfen. Die Idee dahinter ist doppelt sinnvoll: Sammler müssen nicht im Restmüll wühlen, in dem auch Scherben oder anderer gefährlicher Abfall liegen kann, und die Wertstoffe bleiben dem Kreislauf erhalten.
Auch organisierte Spendenmodelle gibt es. An manchen Flughäfen und bei Veranstaltungen werden eigene Sammelbehälter aufgestellt, deren Erlös sozialen Projekten zugutekommt. So wird aus einem Teil des Pfandschlupfs wenigstens etwas Gemeinnütziges. Das ändert nichts am grundsätzlichen Problem, dass viel Pfand verloren geht, lenkt aber einen Teil davon sinnvoll um.
Was das für dich heißt
Unterm Strich ist die Sache für Verbraucher einfach: Pfand ist dein Geld, kein verlorener Aufpreis. Wer seine Flaschen und Dosen zurückbringt, holt sich diesen Betrag vollständig zurück. Wer sie wegwirft, schenkt das Geld effektiv dem System. Bei einer Dose sind das 25 Cent, bei einem Haushalt über das Jahr schnell ein zweistelliger Betrag. Und jede zurückgebrachte Verpackung verkleinert den Pfandschlupf, an dem sonst andere mitverdienen.
Mehrwegpools: warum dieselbe Flasche von vielen genutzt wird
Bei Mehrweg gibt es eine Besonderheit, die das Pfandgeld betrifft. Viele Mehrwegflaschen, etwa die genormte braune Bierflasche, gehören keinem einzelnen Hersteller, sondern einem gemeinsamen Pool. Mehrere Brauereien nutzen denselben Flaschentyp, geben ihn in Umlauf und bekommen aus dem Pool wieder Flaschen zurück, nicht zwingend dieselben, die sie ausgegeben haben. Verwaltet wird das von sogenannten Poolbetreibern.
Für dich als Kunde ändert das nichts, du zahlst dein Pfand und bekommst es zurück. Im Hintergrund sorgt der Pool aber dafür, dass Flaschen effizient zwischen den Beteiligten zirkulieren, ohne dass jede Brauerei ihre eigenen Flaschen aufwendig zurücksortieren muss. Das ist einer der Gründe, warum Mehrweg so gut funktioniert: Die Logistik ist über Jahrzehnte eingespielt. Daneben gibt es Individualflaschen, die ein Hersteller exklusiv nutzt, etwa bei besonderen Designflaschen. Die müssen tatsächlich zum jeweiligen Abfüller zurück, was den Aufwand erhöht.
Die Debatte um eine Verpackungssteuer
Rund ums Pfandgeld läuft seit Jahren eine politische Diskussion, die über das reine Pfand hinausgeht. Weil die gesetzlich angepeilte Mehrwegquote von 70 Prozent klar verfehlt wird, real liegt sie bei rund 43 Prozent, fordern Umweltverbände zusätzliche Instrumente. Die Deutsche Umwelthilfe etwa schlägt eine Lenkungsabgabe von rund 20 Cent auf Einwegflaschen und Dosen vor, ähnlich den Abgaben auf Heizöl oder Erdgas. Die Idee: Wenn Einweg teurer wird, steigt der Anreiz, zu Mehrweg zu greifen.
Auch eine Ausweitung des Pfands auf bisher ausgenommene Verpackungen steht im Raum, allen voran auf Getränkekartons wie die von Tetra Pak. Diese sind bis heute pfandfrei, obwohl sie in großen Mengen anfallen. Befürworter sehen darin eine logische Lücke, die geschlossen gehört. Der Handelsverband Deutschland kritisiert dagegen den bürokratischen Aufwand jeder weiteren Ausweitung und verweist auf steigende Kosten. Einzelne Städte gehen unabhängig davon eigene Wege, etwa mit kommunalen Verpackungssteuern auf Einweggeschirr in der Gastronomie, die gerichtlich bestätigt wurden.
Für dich als Verbraucher ist wichtig zu wissen: Das Pfand selbst ist keine Steuer und kein verlorener Betrag, sondern ein durchlaufender Posten, den du vollständig zurückbekommst. Eine Verpackungssteuer wäre etwas anderes, nämlich eine echte Abgabe, die nicht zurückfließt. Beide Begriffe werden oft verwechselt, meinen aber völlig Verschiedenes.
Wie Deutschland im Vergleich dasteht
Das deutsche Pfand von 25 Cent auf Einweg ist im internationalen Vergleich hoch. In vielen Nachbarländern liegt das Pfand niedriger, in einigen gibt es gar keins. Genau dieser hohe Betrag ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sorgt er für die sehr hohe Rückgabequote, weil sich das Zurückbringen lohnt. Auf der anderen Seite macht er das System für Betrüger interessanter, weshalb hier mehr Aufwand in die Fälschungssicherheit fließt als in den meisten anderen Ländern.
Länder ohne Pfand kämpfen oft deutlich länger mit weggeworfenen Flaschen und Dosen in der Landschaft. Mit Pfand entsteht dagegen ein Anreiz, der sogar dann wirkt, wenn man selbst gar nichts gekauft hat: Eine herumliegende Dose wird zu barem Geld für den, der sie aufhebt. Ein Pfandsystem ist kein Allheilmittel, aber es ist eines der wirksamsten Werkzeuge, um Verpackungen aus der Umwelt fernzuhalten und Rohstoffe im Kreis zu führen.